Jede Katze ist für ihre Halter etwas Besonderes, doch manche Samtpfoten haben einen ganz eigenen Charme, und zwar in Form zusätzlicher Zehen. Das sind die polydaktylen Katzen.
Sie werden weltweit geliebt, schaffen es ins Guinness-Buch der Rekorde und stehen als historisches Erbe unter Schutz. Der Legende nach bringen sie ihren Haltern sogar Glück. In diesem Artikel erkunden wir die erstaunliche Welt der polydaktylen Katzen, gehen ihrer Herkunft nach und beantworten die wichtigsten Fragen für alle, die eine Katze mit zusätzlichen Zehen bei sich aufgenommen haben.
Was sind polydaktyle Katzen?
Polydaktyle Katzen haben an einer oder mehreren Pfoten zusätzliche Zehen. Das Wort «polydaktyl» stammt aus dem Griechischen und bedeutet schlicht «viele Zehen». Zählen Sie ruhig einmal die Zehen Ihrer Katze. Kommen Sie auf insgesamt 18 Zehen, fünf an jeder Vorderpfote und vier an jeder Hinterpfote, ist Ihre Katze nicht polydaktyl. Eine polydaktyle Katze hat mindestens 19 Zehen, und die höchste je gezählte Zahl liegt bei 28.
Warum haben manche Katzen zusätzliche Zehen?
Katzen mit zusätzlichen Zehen tragen eine Genmutation, die über ein dominantes Gen von einem Elternteil weitergegeben wird. Polydaktylie kann bei jeder Rasse auftreten, doch fällt auf, dass Maine Coons dieses Merkmal häufiger erben.
Wie selten sind polydaktyle Katzen?
Entgegen einer verbreiteten Annahme sind polydaktyle Katzen recht häufig. Ist ein Elternteil polydaktyl, erben die Kätzchen dieses Merkmal mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 %. Bei Maine Coons soll Polydaktylie besonders verbreitet sein, rund 40 % waren früher polydaktyl. Inzwischen wird gezielt darauf hingearbeitet, dieses Merkmal aus der Rasse herauszuzüchten.
Leben polydaktyle Katzen länger?
Nein, polydaktyle Katzen haben dieselbe Lebenserwartung wie andere Katzen. Eine Katze wird in der Regel rund 15 Jahre alt, je nach Gesundheitszustand und Lebensumständen.
Haben polydaktyle Katzen Gesundheitsprobleme?
Polydaktyle Katzen gelten nicht als anfälliger für Gesundheitsprobleme als andere Katzen. Ihre zusätzlichen Zehen wirken sich deshalb in der Regel nicht auf die Gesundheit aus. Die einzige Vorsichtsmassnahme besteht darin, die zusätzlichen Krallen zu kürzen, denn diese neigen manchmal dazu, sich einzurollen und einzuwachsen. Ansonsten verursacht Polydaktylie weder Beschwerden noch Schmerzen.
Ist Polydaktylie bei Katzen gefährlich?
Abgesehen vom Mehraufwand bei der Krallenpflege sind zusätzliche Zehen normalerweise unbedenklich. Kontrollieren Sie die Krallen Ihrer Katze gründlich, denn manchmal entgeht es den Haltern, dass ihr Tier einen oder mehrere zusätzliche Zehen hat. Ob sehr klein oder einfach im Fell verborgen, an diesen Zehen wachsen Krallen, die einwachsen und Schmerzen oder Infektionen verursachen können, wenn niemand sie kürzt. Zusätzliche Zehen bleiben ausserdem leichter hängen, was zu einem Krallenbruch oder einer anderen Verletzung führen kann.
So pflegen Sie eine polydaktyle Katze
Katzen kümmern sich zwar gut um ihre eigenen Krallen, trotzdem sollten Sie sie dabei unterstützen und Pfoten und Krallen regelmässig kontrollieren. Die Krallen sollten glatt und die Pfoten sauber sein. Kürzen Sie die Krallen gelegentlich, dann wachsen sie nicht nach innen ein und verursachen keine Schmerzen oder Infektionen.
Tierarztpraxen bieten häufig Termine zum Krallenschneiden an und beraten Sie gerne, wie Sie es selbst machen können. Versuchen Sie nicht, die Krallen Ihrer Katze zu kürzen, ohne es sich vorher zeigen zu lassen. Zu kurz geschnittene Krallen bluten stark und schmerzen sehr.
Denken Sie bei einer polydaktylen Katze auch daran, dass mit der Zahl der Krallen die möglichen Schäden zunehmen. Zum Glück lässt sich verhindern, dass Ihre Katze das Sofa zerfetzt oder den Teppich ruiniert, zum Beispiel mit einer Kratzmatte oder einem Kratzbaum.
Woher stammen polydaktyle Katzen?
Die ersten polydaktylen Katzen sind für das 19. Jahrhundert belegt, an Bord der Handelsschiffe zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada. Die Seeleute sahen in diesen besonderen Samtpfoten Glücksbringer und ausgesprochen geschickte Mäusefänger. Deshalb nahmen sie polydaktyle Katzen auf ihre Fahrten mit.
Die zusätzlichen Zehen machten die Tiere nicht nur zu unermüdlichen Jägern, sondern auch zu idealen Gefährten auf Schiffen, die ständig Wind und Wellen ausgesetzt waren. Die Seeleute berichteten nämlich, dass diese Katzen das Gleichgewicht besser hielten als Artgenossen mit der üblichen Zahl an Zehen.
Berühmte polydaktyle Katzen
Katzen mit vielen Zehen beeindrucken uns seit Generationen. Hier stellen wir einige der bekanntesten vor, zusammen mit ihren berühmten Haltern.
Snowball, die Katze von Ernest Hemingway
Der Schriftsteller Ernest Hemingway liebte polydaktyle Katzen so sehr, dass sie heute auch «Hemingway-Katzen» genannt werden. Seine erste polydaktyle Katze namens Snowball bekam er in den 1930er-Jahren von einem Schiffskapitän geschenkt, weitere folgten bald. Heute leben im Hemingway-Museum in Florida rund 50 Katzen, viele davon polydaktyl. Ob sie direkte Nachfahren von Snowball sind, ist unklar, doch sie gehören zum Erbe des Museums und werden entsprechend sorgfältig geschützt.
Slippers, der Kater von Theodore Roosevelt
Auch im Weissen Haus lebte ein polydaktyler Kater mit sechs Zehen. Slippers gehörte dem amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt und war eines der vielen Haustiere, die die Familie ins Weisse Haus mitbrachte. Wenn Amtsträger den Präsidenten besuchten, gehörte Slippers oft zum Bild, ob er nun mitten im Korridor einschlief oder sich bei offiziellen Diners zu den Würdenträgern gesellte.
Jake, der Rekordhalter mit den meisten Zehen
Das Guinness-Buch der Rekorde widmet dem rot getigerten Kater Jake einen eigenen Eintrag. Jake hält den Rekord für die meisten je gezählten Zehen, insgesamt 28, also sieben an jeder Pfote. Jeder davon hat seinen eigenen Knochenbau, seine eigene Kralle und seinen eigenen Ballen.
Die spannendsten Fakten über polydaktyle Katzen
- Die Zahl der Zehen fällt bei polydaktylen Katzen unterschiedlich aus. Manche haben nur einen Zeh mehr, andere gleich mehrere an jeder Pfote. Am häufigsten ist jedoch das «Fäustling»-Muster, bei dem die zusätzlichen Zehen wie ein Daumen aussehen.
- Die zusätzlichen Zehen könnten polydaktylen Katzen ein besseres Gleichgewicht und mehr Geschicklichkeit verleihen und damit ihre Kletter- und Sprungfähigkeiten verbessern.
- Jede Katze kann polydaktyl sein, unabhängig von der Rasse. Auch wenn dieses Merkmal am häufigsten mit der Maine Coon in Verbindung gebracht wird, kann Polydaktylie bei jeder Katze auftreten, sofern ein Elternteil das Gen trägt.
- In manchen Kulturen gelten polydaktyle Katzen als Glücksbringer. Sie sollen ihren Haltern Wohlstand, Geld und Glück bescheren, weshalb viele Seeleute sie früher an Bord hielten.
- Die polydaktylen Katzen Jake und Paws aus Kanada beziehungsweise Minnesota halten den Guinness-Weltrekord für die meisten Zehen, mit insgesamt 28.
Ob Ihre Katze 18 Zehen hat oder mehr, sie ist auf jeden Fall ein vollwertiges Familienmitglied. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie Ihr Haustier am besten pflegen, ob polydaktyl oder nicht, lesen Sie als Nächstes unseren praktischen Ratgeber zur Fellpflege Ihrer Katze.