Wie bringen Sie einem Welpen die Leinenführigkeit bei?
Kaum etwas ist so frustrierend wie ein Hund, der ständig an der Leine zieht. Für Sie und für ihn ist das äusserst anstrengend. Es kann gefährlich werden, sogar dauerhafte Schäden verursachen und aus einem einfachen Spaziergang einen Albtraum machen. Genau deshalb lohnt sich die Leinenführigkeit beim Welpen.
Aufgeregt, weil es irgendwohin geht, glücklich über die frische Luft und angetan von jedem neuen Abenteuer, ziehen viele Hunde an der Leine. Solche übermütigen Momente kennt jeder Hund. Zieht Ihrer allerdings dauernd, geht er nicht mehr wirklich mit Ihnen, zufrieden an Ihrer Seite und an locker hängender Leine. Sie kontrollieren ihn dann nur noch mit körperlichem Zwang.
Die Leine ist ein Sicherheitsmittel, nicht mehr. Es ist die Erziehung Ihres Welpen, die Ihren Hund nahe bei Ihnen halten soll, und nicht ein Gegenstand, an dem Sie sich mit aller Kraft festhalten!
Verlassen Sie sich allein auf die Leine, kann der körperliche Aufwand zur Kontrolle Ihres Hundes überwältigend und für Sie beide sogar gefährlich werden. Das gilt besonders, wenn Ihr Begleiter zu den grösseren und kräftigeren Rassen gehört.
Ihrem Hund das Gehen an locker hängender Leine beizubringen ist nicht schwierig, vor allem wenn Sie im Welpenalter damit anfangen. Mit etwas Arbeit und viel Beständigkeit erwartet Sie beide ein Leben voller entspannter und schöner Spaziergänge.
Lesen Sie weiter und erfahren Sie, wie Ihr Welpe die Leinenführigkeit lernt.
Warum Leinenführigkeit beim Welpen so wichtig ist
Bewegung
An der Leine spazieren zu gehen verschafft Ihrem Welpen Bewegung und hält ihn fit und gesund, während er wächst und heranreift, und danach ein Leben lang. Viele Verhaltensprobleme lösen sich ganz oder teilweise, wenn ein Hund genug und die richtige Bewegung bekommt.
Geistige Auslastung
An der Leine entdeckt ein Welpe die neuen und spannenden Seiten der Welt um ihn herum. Neue Anblicke, Geräusche, Gerüche und Umgebungen sind unverzichtbar für Sozialisierung, Wachstum und Entwicklung. Das Gehen an der Leine ist deshalb die Grundlage dafür, all diese neuen Orte gemeinsam zu erkunden.
Die meisten Hunde verbringen lange Zeit zu Hause und das kann langweilig werden! Spaziergänge sind der perfekte Moment für neue Gerüche, Geräusche und Aussichten. Sie gliedern den Tag auf spannende Weise und schenken Ihnen beiden gemeinsame Zeit. Welpen brauchen alle Arten positiver Erfahrungen, damit aus ihnen ausgeglichene Hunde werden, die mit allem zurechtkommen, was ihnen im Alltag begegnet.
Neue Umgebungen sind wichtig für Wachstum und Entwicklung, und weil Ihr Welpe dabei jederzeit sicher und unter Kontrolle bleiben muss, führt kein Weg an der Leine vorbei.
Sicherheit
Es gibt viele Orte, an die Sie mit Ihrem Hund gehen möchten und an denen die Leine ihn schützt. An anderen sind es Menschen, andere Hunde und Weidetiere, die vor Ihrem Hund geschützt werden müssen.
Die weitere Erziehung
Alle Übungen, die Sie mit Ihrem Hund erarbeiten (Sitz, Platz, Bleib, Hier und so weiter), müssen draussen in der wirklichen Welt genauso sitzen wie zu Hause oder im Garten. Ein Hund, der ruhig an der Leine geht, gibt Ihnen die Gelegenheit, diese Übungen unterwegs weiter zu festigen.
Ein Hund, der ordentlich an die Leine gewöhnt wurde, orientiert sich als Teil dieses Trainings immer wieder an Ihnen. Er hört Ihnen deutlich besser zu, als wenn er sich die ganze Zeit in die Leine stemmt und Sie fast völlig übergeht.
Soziale Verantwortung
Unterwegs mit Ihrem Hund tragen Sie die Verantwortung dafür, ihn unter Kontrolle zu haben. Lassen Sie keinen ungestümen Hund, so freundlich oder herzig er auch sein mag, auf andere Hunde oder Menschen losstürmen. Es wird also Momente geben, selbst auf sicheren, offenen Flächen, in denen Ihr Hund an die Leine gehört.
Weidetiere
Auf dem Land müssen Sie Ihren Hund jederzeit eng unter Kontrolle haben und das heisst, besonders in der Nähe von Schafen, an der Leine.
Was Sie brauchen, bevor das Leinentraining beginnt
Kaufen Sie ein Geschirr, das Ihrem Welpen passt, ohne zu verrutschen, und aus dem er sich nicht nach hinten herausziehen kann. Wählen Sie ein gut gepolstertes, bequemes Modell, das nicht über die Schultern verläuft und ihn so in seiner Bewegung einschränkt.
Früher lernten Welpen das Gehen am Halsband. Heute wissen wir, dass ein Geschirr der beste Weg ist, damit Ihr Hund die Leine positiv erlebt, und dass es Ihnen trotzdem die nötige Kontrolle gibt.
Nicht zu ziehen und schön zu gehen lernt ein Hund fortlaufend, mit allerlei Fehlern unterwegs. In seiner Aufregung und Unerfahrenheit wird Ihr Welpe nicht anders können, als loszuspringen und zu ziehen. Bei diesen Rucken sollte nicht die ganze Kraft der Leine auf einen so empfindlichen Bereich wie seine Kehle treffen.
Ein Geschirr macht das Training an locker hängender Leine weder leichter noch schwerer. Es senkt einfach das Risiko, Ihren Welpen während des Lernens zu verletzen.
Ein Halsband
Ein Halsband möchten Sie Ihrem Welpen wahrscheinlich trotzdem anlegen, um die Adressmarke daran zu befestigen, die er an öffentlichen Orten tragen muss. Es sollte weich und bequem sein und einen leicht und leise zu schliessenden Clip oder eine Schnalle haben. Ist es geschlossen, sollten zwei Finger zwischen Halsband und Hals passen.
Leckerli
Wie im übrigen Training setzen Sie hochwertige Leckerli ein, damit Ihr Welpe versteht, was Sie von ihm wollen, und damit Sie ihn für jeden Erfolg belohnen können. Wenn man es recht bedenkt, ist das Gehen an der Leine für einen Hund etwas völlig Widernatürliches. Seien Sie also grosszügig mit Lob und Belohnungen.
Eine Leine
Eine Schleppleine für das Hundetraining kann ein hervorragender Einstieg sein. Für den Anfang wählen Sie eher eine 2 m lange Trainingsleine mit je einem Karabiner an beiden Enden, die für Ihren Welpen nicht zu schwer und für Sie angenehm zu halten ist. Diese Länge hält Ihren Welpen sicher und in Ihrer Nähe, lässt ihm aber etwas Spielraum. Ziel ist eine locker hängende Leine, kein Welpe, der wie in einer militärischen Übung von vorgestern an Ihrem Bein klebt!
Lange Zeit dicht neben uns zu gehen, wie man es in Obedience-Prüfungen sieht, verlangt ein hohes Trainingsniveau und, damit Gelenke und Knochen nicht überlastet werden, eine sehr gute Kondition und ein gutes Gleichgewicht. Hunde bewegen sich von Natur aus in einem ganz anderen Tempo als wir und auf unser Tempo herunterzubremsen verlangt ihnen echte Konzentration und körperliche Entwicklung ab.
Prüfen Sie, ob sich die Leine sicher am Geschirr Ihres Welpen befestigen lässt.
Denken Sie daran, dass es beim Leinentraining darum geht, dass Ihr Hund an locker hängender Leine geht. Vergessen Sie die Fussarbeit im Obedience-Stil, denn das ist eine Übung für Fortgeschrittene und würde Sie beide nur zum Scheitern und in endlose Frustration führen.
Die Leinentypen
- Die richtige Leine erleichtert das Training und macht die Spaziergänge angenehmer.
- Die Retrieverleine, auch Moxonleine genannt, ist leicht und schlicht und kommt oft bei kurzen Trainingseinheiten oder für schnelle Kontrolle zum Einsatz.
- Die Rollleine lässt Ihren Hund weiter vorausgehen, kann aber zum Ziehen verleiten, wenn Sie nicht achtsam damit umgehen.
- Die Schleppleine leistet gute Dienste beim Rückruftraining oder wenn Ihr Hund in sicherem Gelände mehr Freiheit bekommen soll.
- Die klassische Flachleine ist robust und vielseitig und damit ideal für den Alltagsspaziergang.
So bringen Sie einem Welpen das Gehen an der Leine bei
Es gibt einige einfache Wege zu einer gelungenen Leinenführigkeit, vom passenden Geschirr bis zu beständigen Belohnungen. Für das Wachstum Ihres Welpen ist dieser Schritt ganz zentral.
Damit er gut an der Leine geht, folgen Sie diesen Schritten:
1. Beginnen Sie ohne Leine
Ihr Welpe kann nicht ziehen, wenn es nichts gibt, wogegen er ziehen könnte, und so lernen Sie beide von Anfang an, zusammenzuarbeiten. Fangen Sie früh im Haus an, lange bevor Geschirr oder Leine ins Spiel kommen. Sie zeigen Ihrem Welpen dabei, dass es sich lohnt, neben Ihnen zu gehen.
Halten Sie während einer Trainingseinheit ein Leckerli nahe an seine Nasenspitze, damit er es riecht, und gehen Sie ein paar Schritte vorwärts, während Sie ihn zum Mitkommen ermuntern. Nach zwei oder drei Schritten halten Sie an, sagen ihm, wie gut er das macht, und geben ihm das Leckerli.
Machen Sie ein Spiel daraus, seien Sie begeistert und haben Sie Freude daran. Überholt er Sie oder trollt er sich davon, halten Sie an, locken ihn mit dem Leckerli zurück und gehen weiter (und erinnern sich daran, noch begeisterter zu klingen und noch besseres, sprich noch intensiver riechendes Futter mitzunehmen!).
Wiederholen Sie die Übung mehrmals täglich, in verschiedenen Zimmern und zu verschiedenen Zeiten, damit Ihr Welpe lernt, dass sich das Mitgehen auszahlt. Klappt es im Haus, verlegen Sie das Training in Ihren Garten (also vollständig eingezäunt und geschlossen).
Nun können Sie die Strecke verlängern und ihn immer weniger mit dem Leckerli führen. Ziel ist, ihm zu zeigen, dass Sie eines dabeihaben, und dann einige Schritte zu gehen, ohne dass er dem Leckerli folgen muss, bevor er am Ende belohnt wird.
2. Gewöhnen Sie ihn an das Geschirr
Nehmen Sie sich Zeit für ein weiches Geschirr, in dem sich Ihr Welpe rundum wohlfühlt. Es darf nirgends reiben und nicht über die Schulter verlaufen, weil es ihn sonst in der Bewegung einschränkt. Um es ihm vorzustellen, setzen Sie sich einfach auf den Boden und lassen Sie ihn daran schnüffeln. Verbinden Sie den Moment mit Leckerli und Lob, damit positive Verknüpfungen entstehen. Hineinbeissen oder darauf herumkauen darf er allerdings nicht.
Fühlt sich Ihr Welpe mit Aussehen und Geruch des Geschirrs sicher, legen Sie es ihm an, geben ihm ein Leckerli oder spielen kurz mit ihm und nehmen es wieder ab. Wiederholen Sie das mehrmals täglich, lange bevor er nach draussen darf, damit ihm das Geschirr völlig selbstverständlich wird.
Ziehen Sie ab und zu leicht am Geschirr, damit er sich auch an dieses Gefühl gewöhnt, immer gekoppelt an Lob und Leckerli. Die meisten Welpen haben beim Züchter schon ein kleines Halsband getragen, doch Sie können ihn genau auf dieselbe Weise daran gewöhnen. Welpen wachsen schnell, prüfen Sie also täglich Sitz und Grösse von Geschirr und Halsband.
3. Befestigen Sie die Leine am Geschirr und üben Sie im Garten
Bevor Sie mit Ihrem Welpen spazieren gehen, wiederholen Sie zuerst die Übung «neben Ihnen gehen ohne Leine» aus Schritt 1, nun aber mit angelegtem Geschirr.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, doch für einen Welpen fühlt sich das Gehen mit Geschirr sehr anders an. Dafür brauchen Sie hervorragende Leckerli, und zwar reichlich, um ihn von den neuen Empfindungen abzulenken und ihm den Spass zu erhalten.
Gelingt ihm das mit Freude, kommt die Leine dazu. Starten Sie mit einer sehr leichten Leine, vielleicht sogar einer Hausleine, die Ihr Welpe kaum bemerkt.
Befestigen Sie die Leine am Geschirr, nehmen Sie sie aber noch nicht in die Hand.
Üben Sie erneut «neben Ihnen gehen ohne Leine», während die Leine hinterherschleift oder ganz lose in Ihrer Hand liegt (Letzteres brauchen Sie vielleicht, wenn sie nach einem spannenden Spielzeug aussieht!).
Nehmen Sie die Leine danach in die Hand, folgen Sie Ihrem Welpen aber überall dorthin, wohin er möchte. Es geht darum, dass er sich an das Gefühl gewöhnt, mit Ihnen verbunden zu sein. Belohnen und loben Sie ihn dabei häufig, damit er lernt, dass die Leine etwas Wunderbares ist!
4. Verknüpfen Sie die Leine mit schönen Dingen
Die Leine sollte Spass und Belohnung versprechen, damit sich Ihr Welpe darauf freut, wenn Sie sie holen. Ist sie angelegt, unterhalten Sie ihn mit Leckerli oder Spielzeug. Über diese Verknüpfung erwartet er beim Anlegen der Leine bald etwas Schönes.
Aus Neugier oder Aufregung beissen Welpen oft in die Leine.
Lenken Sie das Verhalten um, indem Sie ihm ein Kauspielzeug oder ein Leckerli anbieten, sobald er zu knabbern beginnt. Ebenso können Sie kurz stehen bleiben und warten, bis er loslässt, bevor es weitergeht. So begreift er, dass der Spaziergang erst weiterläuft, wenn er die Leine in Ruhe lässt. Belohnen Sie ruhiges Verhalten immer, dann versteht Ihr Welpe, wie richtiges Gehen aussieht.
5. Verbinden Sie die Leine mit der Übung «Schau mich an»
Bewegt sich Ihr Welpe mit Geschirr und Leine froh durch Haus und Garten, üben Sie «Schau mich an» alle zwei bis drei Minuten.
Halten Sie einfach an, sagen Sie den Namen Ihres Welpen und geben ihm ein Leckerli, sobald er Sie ansieht. Danach darf er weiter erkunden oder weitergehen.
Dass Ihr Welpe Sie auf seinen Namen hin ansieht, wird draussen unbezahlbar, bei all den Ablenkungen, die dort auf ihn warten. Genau das entscheidet darüber, ob er mit Ihnen zusammenarbeitet oder Sie übergeht und nur noch die spannenden Dinge um sich herum wahrnimmt.
Und wie immer, belohnen Sie jeden Erfolg!
Das Geheimnis einer guten Leinenführigkeit liegt darin, keinen dieser Schritte zu überspringen. Diese Vorbereitung entscheidet darüber, ob Ihr Welpe die Leine für etwas zum Ziehen hält oder gelernt hat, sie locker zu lassen. Trainieren Sie auch ein sanftes Anziehen der Leine.
Geht Ihr Welpe mit Geschirr und Leine entspannt vor Ihnen her, können Sie ihn an das Gefühl gewöhnen, dass die Leine gelegentlich Druck auf das Geschirr ausübt. Dieser Druck dient der Sicherheit und dem Lenken. Er entsteht auch in jenen unvermeidlichen Momenten, in denen Ihr Welpe vor lauter Aufregung an der Leine zieht oder weil er ganz in eine Sache vertieft ist.
Während Sie ihm also folgen, halten Sie an, drehen sich um und rufen ihn zu sich. Kommt er, wunderbar. Kommt er nicht, üben Sie leichten Druck aus, ohne Ruck und ohne zu reissen. Sobald er folgt, lassen Sie die Leine völlig locker und belohnen ihn, wenn er bei Ihnen ist. Wiederholen Sie das ebenso wie alle vorherigen Schritte, bis Ihr Welpe vollständig geimpft ist und nach draussen darf.
Die ersten Spaziergänge mit Ihrem Welpen
Was für ein Tag! Jetzt kommt Ihr Leinentraining auf den Prüfstand. Zum ersten Mal dürfen Sie mit Ihrem Welpen an der Leine hinaus und Sie sind voller Begeisterung, planen vielleicht sogar einen langen Spaziergang zu zweit.
Für Ihren Welpen kann das alles zwischen wild aufregend und beängstigend sein. Ihre ersten Runden sollten deshalb nichts weiter als ruhige Erkundungen bleiben. Alles daran ist neu für ihn, mit unzähligen Dingen, die es zu sehen, zu hören und zu riechen gibt. Geben Sie ihm Zeit, diese neue Welt zu erkunden und sich mit ihr anzufreunden. So lernt er, dass all das Neue nichts Bedrohliches hat und einfach zu seinem neuen Leben gehören. Und natürlich ist er selbst mit 14 Wochen noch ein Baby und schafft nur sehr kurze Strecken. Verlangen Sie ihm nicht zu viel ab, sonst verliert er die Freude am Spazieren!
Ihr Welpe gibt das Tempo vor, entscheidet über die Schnüffelpausen und darüber, wann Sie umkehren. Das können zwei Minuten sein, in denen Sie kaum über das Gartentor hinauskommen, oder eine halbe Stunde.
Was Sie vorbereiten
- Tragen Sie immer Leckerli bei sich und belohnen Sie Ihren Welpen alle paar Meter, solange die Leine locker hängt.
- Spannt sich die Leine, halten Sie an und warten. Sieht Ihr Welpe Sie an, rufen Sie ihn zurück, belohnen ihn und gehen weiter.
- Lassen Sie Ihrem Welpen viele Gelegenheiten, anzuhalten und zu schnüffeln oder einfach zu beobachten, was um ihn herum geschieht. So erschliesst er sich die Welt, in der für ihn alles neu ist.
- Legen Sie die ersten Spaziergänge in eine ruhige Gegend mit wenigen Ablenkungen und wenigen Menschen oder Hunden. Das kann direkt vor Ihrer Haustür sein oder Sie fahren dafür an einen stillen Ort.
- Ist Ihr Welpe gerade nicht abgelenkt, üben Sie «Schau mich an» in dieser neuen Umgebung.
Unterwegs muss Ihr Welpe eine Adressmarke tragen, und zwar zusätzlich zu seinem Mikrochip.
Die nächsten Schritte an locker hängender Leine
Hat Ihr Welpe die erste Aufregung über das Draussensein hinter sich und fühlt sich im Geschirr sicher, können Sie stärker an der Leinenführigkeit arbeiten und die Menge an Leckerli zugleich verringern.
- Geben Sie Ihrem Welpen vor dem Aufbruch zwei oder drei Leckerli, einfach um seine Aufmerksamkeit auf Sie zu lenken und ihn daran zu erinnern, dass Sie «gute Sachen» dabeihaben.
- Dann starten Sie Ihren Spaziergang.
- Lassen Sie ihm Zeit zum Schnüffeln und Erkunden (es ist ja sein Spaziergang!), gehen Sie aber die meiste Zeit einfach dorthin, wohin Sie wollen.
- Ihr Ziel ist eine Leine, die durchgehend locker bleibt. Es spielt keine Rolle, ob Ihr Welpe genau neben Ihnen läuft, solange die Leine nicht spannt.
- Spannt sie doch, weil er vorausgelaufen ist oder zurückbleibt, halten Sie an und warten. Sieht er Sie an, rufen Sie ihn zurück, geben ihm ein Leckerli und gehen weiter. Bleiben Sie darin wirklich konsequent und zeigen Sie ihm, dass er nur an locker hängender Leine irgendwohin kommt.
- Bleibt er zurück, weil ihn etwas beunruhigt, geben Sie ihm Zeit, es zu betrachten und zu entscheiden, dass es nicht bedrohlich ist. Zerren Sie ihn nicht und drängen Sie ihn nicht zum Weitergehen.
- Üben Sie «Schau mich an» recht regelmässig, einfach damit Ihr Welpe seine Aufmerksamkeit bei Ihnen behält.
- Bauen Sie nach und nach Richtungswechsel ein. Ziehen Sie dabei nicht. Holen Sie sich die Aufmerksamkeit Ihres Welpen, rufen Sie ihn und drehen Sie ab, während er auf Sie zukommt, sodass er Ihnen folgt.
- Genauso funktionieren Tempowechsel (manchmal schneller gehen, manchmal schleichen!).
- Machen Sie aus all diesen Richtungs- und Tempowechseln ein lustiges Spiel.
- Betrachten Sie das nicht als «Fussarbeit». Ihr Welpe soll einfach neben Ihnen gehen, ohne dass die Leine spannt, auch wenn Sie Richtung und Tempo wechseln.
- Belohnen Sie häufig und nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor.
Menschen und anderen Hunden begegnen
Sitzt das Ganze zu Hause, ist ein guter Welpenkurs der ideale Weg, Ihrem Hund das ruhige Gehen inmitten anderer Hunde und Menschen beizubringen.
Ihr Ziel bleibt immer, dass Ihr Welpe sich auf Sie konzentriert und seine Artgenossen übergeht, statt Sie zur Begrüssung zu ihnen hinzuschleppen! Sich mit Freunden zum Spazieren zu verabreden ist dafür ebenfalls ein guter und geselliger Weg. Treffen Sie sich auf einer schönen offenen Fläche, beide Hunde wie üblich an der Leine, und gehen Sie einfach parallel nebeneinander. Halten Sie zu Beginn genug Abstand, damit Ihr Welpe bei Ihnen bleibt, und rücken Sie näher zusammen, sobald sich die Hunde an die Gesellschaft des anderen gewöhnen.
Auch hier gilt, es ist eine Übung zur Leinenführigkeit und kein Spieltreffen.
Während dieses ganzen Trainings kommt es vor allem darauf an, Ihren Welpen daran zu gewöhnen, bei Ihnen zu bleiben. Bringen Sie ihm das trotz aller Ablenkungen bei und Ihre Spaziergänge verwandeln sich, gerade wenn er grösser und kräftiger wird!
Die Belohnung nach Zufall
Sobald Ihr Hund zuverlässig und gern an locker hängender Leine geht, fahren Sie die Belohnungen zurück und geben nur noch gelegentlich ein Leckerli für besonders gutes Gehen, etwa wenn er eine spannende Ablenkung ruhig passiert. Hören Sie aber nicht ganz damit auf, denn eine unerwartete Belohnung hält das Interesse und die Konzentration Ihres Hundes wach.
Arbeiten Sie weiter an «Schau mich an» und belohnen Sie es immer.
Nutzen Sie «Schau mich an» nun auch, um die Aufmerksamkeit Ihres Welpen von Ablenkungen wegzuholen und ruhig an ihnen vorbeizukommen.
So hindern Sie einen Welpen am Ziehen an der Leine
Zieht Ihr Hund an der Leine und Sie bekommen es kaum in den Griff, arbeiten Sie alle oben beschriebenen Schritte durch. Führt das nicht weiter, ziehen Sie einen qualifizierten und anerkannten Hundetrainer hinzu.
Greifen Sie nie zu einem Würgehalsband, auch Kettenwürger genannt, oder zu einem Stachelhalsband, ohne professionellen Rat und ohne Begleitung.
Spaziergänge sollen Ihnen beiden Freude machen. Erziehung ist immer eine positive, belohnungsbasierte Erfahrung, die Ihre Bindung stärkt. Sie darf nie zur Strafe werden, die Schmerz und Angst auslöst und das Vertrauen zwischen Ihnen beschädigt.
Tipps für das Gehen an locker hängender Leine
1. Nehmen Sie Leckerli mit
Belohnen Sie gutes Verhalten an der Leine mit Leckerli für Hunde.
2. Suchen Sie eine ruhige Umgebung
Weil die meisten Welpen sehr leicht in Aufregung geraten und voller Energie stecken, ist ein ruhiger Ort für die ersten Trainingsschritte an der Leine die bessere Wahl. Geht Ihr Welpe zuverlässig neben Ihnen, wechseln Sie an belebtere Orte, etwa in Parks mit anderen Hundehaltern.
3. Bringen Sie ihm bei, nahe bei Ihnen zu gehen
Am wichtigsten ist, das Ziel klar vor Augen zu behalten! Vergessen Sie die Fussarbeit im Obedience-Stil. Sie ist anspruchsvoll und für einen Hund widernatürlich. Er bewegt sich in einem anderen Tempo als wir und das Abbremsen auf unser Tempo kann schwierig und unbequem sein (und ganz kleine Hunde müssen dafür rennen, was genauso anstrengend ist). Ziel ist ein Hund, der an locker hängender Leine neben Ihnen geht. So einfach ist das. Hängt die Leine locker, belohnen Sie ihn. Spannt sie, halten Sie an, rufen ihn zurück, belohnen ihn und gehen weiter.
4. Bleiben Sie geduldig
Denken Sie daran, dass das Gehen an der Leine für Ihren Welpen neu ist. Geduld gehört deshalb dazu. Behalten Sie im Kopf, dass diese Übung Monate braucht, bis sie wirklich sitzt, und dass sie ein fortlaufender Prozess bleibt, denn in wenigen Stunden lernt sie kein Hund. Für ihn ist die Welt ein spannender Ort, eine Leine hat nichts Natürliches und es gibt tausend Dinge zu tun und zu untersuchen. Unterwegs wird es also reichlich Ausrutscher geben.
Bleiben Sie dabei einfach ruhig, geben Sie der Versuchung nicht nach, selbst an der Leine zu ziehen, und widerstehen Sie dem Gedanken «heute ist es halt egal, wenn er zieht» (besonders wenn Sie in Eile sind!). Ihr Hund muss überzeugt sein, dass er an gespannter Leine nirgendwohin kommt. Beständigkeit ist entscheidend und denken Sie daran, zum Ziehen gehören immer zwei!
Die besten Tipps für das Training der Leinenführigkeit:
- Üben Sie das Gehen an locker hängender Leine in vielen kurzen Einheiten und belohnen Sie häufig, wenn Ihr Hund entspannt neben Ihnen läuft.
- Zieht Ihr Hund unterwegs nach vorne, will er irgendwohin, hat etwas seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen oder er hat einfach genug von Ihrem Schneckentempo! Halten Sie an, rufen Sie ihn zurück, belohnen ihn und gehen wieder los.
- Das Leben und die frische Luft sind aufregend, für einen jungen Hund erst recht. Auf den Spaziergängen der ersten Monate wird Ihr Welpe deshalb ein wenig ziehen und Sie brauchen viel Geduld und Beständigkeit. Mit etwas Arbeit wird es leichter und Ihr Welpe begreift langsam, dass ihn das Ziehen an der Leine keinen Schritt weiterbringt.
- Geben Sie NIEMALS der Versuchung nach, an der Leine zu rucken oder ein Würge- oder Stachelhalsband einzusetzen, es sei denn, ein Verhaltensberater oder ein professioneller Hundetrainer hat es Ihnen mit sehr genauen Anweisungen zum richtigen Gebrauch empfohlen. Ihrem Welpen Schmerz oder Unbehagen zuzufügen ist niemals die Lösung. Studien zeigen, dass solche Methoden nicht nur Verletzungen verursachen, sondern auch eine ganze Reihe von Verhaltensproblemen nach sich ziehen können, weil sich die Bewegung mit Schmerz verknüpft.
Tipps für erwachsene Hunde
Auch ein erwachsener Hund lernt mit dem richtigen Vorgehen bessere Manieren an der Leine. Diese Tipps helfen bei Ziehen, reaktivem Verhalten und Ablenkungen:
- Gegen das Ziehen an der Leine hilft ein Geschirr mit Brustring oder das Prinzip Anhalten und Weitergehen, also stehen bleiben, sobald er zieht, und erst weitergehen, wenn er sich entspannt.
- Bei reaktivem Verhalten halten Sie sicheren Abstand zu den Auslösern und belohnen, dass er auf Sie achtet und nicht auf die Ablenkung.
- Beständigkeit ist entscheidend, nutzen Sie also dieselben Kommandos, dieselben Belohnungen und dieselbe Spazierroutine, um gutes Verhalten zu festigen.